Ethik in der Medizin 

Die Medizin hat seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Fülle von Kenntnissen erworben und Fähigkeiten entwickelt, um Einfluss auf gestörte Körperfunktionen zu nehmen und Lebensbedrohungen abzuwenden oder zu überwinden. Medizin hat so zur Verbesserung von Lebensqualität und zur Verlängerung des Lebens beigetragen. Das fasziniert sowohl uns Ärzte, denen diese Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als auch die Menschen, die davon Hilfe für sich erhoffen. 

 

Bei allen Erfolgen stoßen wir aber auch immer wieder an Grenzen. Der gewünschte Erfolg kann ausbleiben, die Therapie selbst zur Belastung oder das Ergebnis als nicht mehr tragbar oder menschenwürdig erlebt werden.

 

Je mehr wir in der Medizin können, desto häufiger stehen wir unausweichlich vor der Entscheidung, ob wir die Möglichkeiten nutzen oder besser darauf verzichten. Entscheiden können heißt entscheiden müssen! Nicht selten verfallen Mediziner einem Automatismus und halten das technisch Mögliche auch für das Gebotene. Um aber verantwortlich zu entscheiden, müssen wir begründen können, warum eine Untersuchung oder eine Therapie angemessen ist.

   

Hier stellt sich die Frage der Ethik:

Welchen Wert hat das, was ich tue oder unterlasse, für den Menschen, der davon betroffen ist? Was ist noch sinnvoll für ihn und was will er für sich?

 

Ethische Herausforderungen stellen sich nicht nur in der Hochleistungsmedizin an den Grenzen des Lebens (z.B. Neonatologie, Intensivmedizin, Transplantation, Tumortherapie), sondern auch in den täglichen Begegnungen einer Arztpraxis, eines Pflegeheims oder der häuslichen Krankenversorgung sowie den organisatorischen Strukturen von Einrichtungen des Gesundheitswesens.

 

Darüber in wissenschaftlichen Arbeitskreisen, in Lehre und Unterricht, im klinischen und außerklinischen Alltag, in Ethikkomitees oder anderen Formen von Ethik-beratung sowie in Vorträgen und schriftlichen Veröffentlichungen nachzudenken und zu diskutieren, habe ich mir zur Aufgabe gemacht.  

  

Behutsam ausbalancieren!